Die Liebe hat Ihre eigenen Regeln

Sie kennen den Spruch: “die Liebe geht durch den Magen”. Ohne dabei gesellschaftliche Traditionen in den Vordergrund rücken zu wollen, wird eines klar: “unser Bauch hat schon oft das Sagen gehabt!”.

Kennen Sie das? Sie können sich nicht entscheiden, wissen aber gar nicht warum. Sie haben alles durchdacht und trotzdem hält Sie etwas zurück. Sie kennen den Plan und wie er umzusetzen ist, den Weg, die einzelnen Schritte, die Ergebnisse, um die es geht … und trotzdem, irgendetwas in Ihnen lässt Sie zögern. Das ist Ihr Gefühl – das sogenannte Bauchgefühl. Wussten Sie, dass – nach dem was die Forschung uns heute mitteilen kann – Ihr Bauch über ähnlich viele Neuronen verfügt wie Ihr Gehirn?

In unserer Arbeit als Coach treffen wir oft auf Themen bei denen es vordergründig um eine Lösung geht. Wenn wir dann die eine oder andere Lösungsoption erkennen, ist es aber zumeist so, dass wir noch ein gutes Gefühl dazu brauchen.

Wenn wir jemanden oder etwas wirklich lieben, dann hat der Kopf i.d.R. nicht viel zu sagen. Ganz im Gegenteil. Das Gefühl der Liebe arbeitet unterbewusst. Wenn wir verliebt sind, dann wird unser limbisches System mit so unglaublich vielen Reizen stimuliert, dass unser Großhirn – zuständig für den Verstand und die Selbstwahrnehmung – sich nicht mehr wehren kann. Wer hat nicht schon mal davon gehört, dass sich jemand “Hals über Kopf” verliebt? Dabei wird wohl kaum eine gründliche Überlegung vorausgegangen sein. Nicht selten ist es dann auch so, dass das “Verliebtsein” zu voreiligen Handlungen führt (z.B.: es wird etwas gekauft oder mit nach Hause genommen, das man kurz danach gerne wieder los werden will).

Wenn wir verliebt sind, dann gelten andere Regeln

Das Herz fühlt und der Kopf denkt – so ist die weitläufig akzeptierte Einteilung. Darum hat die Liebe ja auch etwas mit dem Herzen zu tun. Niemand würde auf einer Liebesgrußkarte ein Gehirn abbilden, sondern vor allen Dingen ein Herz … weil das Herz nun mal fühlt, wie sehr man liebt. Der Kopf fühlt das nicht, der kann sich darüber nur Gedanken machen.

Wie kann das sein, dass wir – die ansonsten so rationalen und überlegten, zielstrebigen Menschen – bei der Liebe so unüberlegt handeln, ja mitunter sehenden Auges ins sprichwörtlich “blanke Messer” laufen? Warum sind wir bereit für die Liebe so viel aufzugeben und zu leisten, wenn es an anderer Stelle eher so ist, dass wir uns zu wenig motivieren und oft viel zu lange über etwas nachdenken?

Wohlgemerkt: es geht hier nicht nur um die Liebe zu jemand anderem. Es geht hier um die Liebe an sich. Das kann auch die Liebe zur Arbeit sein oder zu etwas, das man gerne hätte (die neuen Schuhe, das neue Kleid oder der neue Wagen). Das Gefühl der Liebe ist in jedem Fall stark und kommt in der Gestalt einer unausweichlichen Anziehung daher. Diese Anziehung ist eine Mischung aus Euphorie, Glück und Chance gepaart mit Gefühlen wie Zugehörigkeit, Nähe und Vertrautheit. Dieser Anziehung zu widerstehen ist keine Frage des Verstandes mehr. Der Verstand ist längst ausgeschaltet, wenn wir uns verlieben. Die Hormone und die bio-chemischen Prozesse haben die Kontrolle übernommen … und die überhäufen uns mit Glücksgefühlen und Zufriedenheit.

Dann wäre doch eigentlich alles in Ordnung, wenn man nur verliebt ist, oder? Sie haben es sicher schon kommen sehen: so einfach ist das mit der Liebe dann ja doch nicht!

Der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er sich nicht ständig beobachten und aus seinem Tun und Handeln lernen würde (genau das, unterscheidet uns von anderen Spezies).

Wir suchen nach Liebe – und versuchen Leid zu vermeiden.

Im Englischen heißt dies: “seeking gain & avoiding pain”. Viele wissenschaftliche Ausführungen bestätigen, dass wir Menschen ständig versuchen, das, was uns guttut zu maximieren und das, was uns nicht guttut zu vermeiden. Dabei lernen wir stets dazu. Wir beurteilen die Ergebnisse unserer Entscheidungen und passen uns an, je nachdem, wie das Ergebnis war. Wer sich einmal “falsch” entschieden hat, wird diese Entscheidung i.d.R. beim nächsten Mal besser überdenken. Wer gelernt hat, dass eine Entscheidung oft die Richtige war, wird sich auch in Zukunft darauf verlassen.

Auch in der Liebe wird dazugelernt. Da ist es leider so, dass wir mitunter auch lernen, dass das Herz “brechen” kann, zumindest, wenn es um die zwischenmenschliche Liebe geht – und auf diese möchte ich an dieser Stelle einen genaueren Blick werfen.

Wir alle kennen die traurigen Zahlen, die belegen, wie oft aus Liebe etwas anderes wurde. Aber ist daran die Liebe schuld? Ist die Liebe überhaupt zu Schaden gekommen? War sie überhaupt von Anfang an im Spiel? Oder ist die Liebe mittlerweile etwas sehr Behütetes und Geschütztes, das wir nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen zulassen? Ist das, was wir als Liebe bezeichnen, noch die Liebe, die wir uns wünschen?

Jemand hat mal gesagt, dass “alles zu wissen, auch kein Segen ist” und dem kann ich nur zustimmen. Das Wissen an sich ist nicht das Problem. Doch wer vieles weiß, der kann sich aufgrund dessen auch sehr viel ausmalen und landet schließlich bei sehr vielen Möglichkeiten. Jemand, der sich angesichts vieler Möglichkeiten entscheiden muss, ist leicht überfordert. Und hier kommt das Prinzip “seek gain & avoid pain” ins Spiel. Es gibt Menschen, die neigen eher dazu, das, was guttut, maximieren zu wollen, während andere auf jeden Fall erst einmal verhindern, dass etwas schlimmer wird und dabei das, was sie haben, beschützen.

Es kommt also auch in der Liebe darauf an, wie genau man diesbezüglich veranlagt ist. An dieser Stelle werden die Regeln des Verstandes erneut aufgehoben. Auch wenn der Verstand tausend Gründe findet, etwas nicht zu tun, werden Menschen, die danach streben, etwas, das ihnen guttut zu vermehren, diese Gründe irgendwie weg argumentieren können. Kennen Sie das? Im anderen Fall werden Menschen, die tausend gute Gründe haben, sich für etwas zu entscheiden, immer versuchen Gründe zu finden, es nicht zu tun, wenn Sie grundsätzlich eher geneigt sind, Schaden zu vermeiden und das bereits Gewonnene nicht zu gefährden.

Wer liebt, tut gut daran zu wissen, was ihn leitet

Wir kennen alle jene Menschen, die viel lieber alleine bleiben, als das Risiko einer Enttäuschung einzugehen. Sicher kennen wir ebenso viele Menschen, die all zu leicht eine Beziehung eingehen, egal wie schädlich diese auch für sie sein mag, wenn sie dadurch nur nicht alleine sind. Wie wir geprägt sind, bestimmt unser Handeln. Deshalb ist es gut, zu wissen, wie man geprägt ist.

Fragen Sie sich doch mal, wie Sie sich in der Liebe verhalten: Suchen Sie eher die Zweisamkeit oder vermeiden Sie lieber das Risiko?

Ganz egal, wie Sie veranlagt sind, achten Sie doch einmal darauf, wie Sie diese Veranlagung umsetzen. Kann es sein, dass Sie immer wieder genau die richtigen Argumente finden um ihre “unterbewusste” Veranlagung zu begünstigen. Kann es sein, dass Sie unterbewusst Ihre Argumentation so steuern, dass entweder “Gutes gewinnt” oder “Risiko vermieden” wird? An dieser Stelle wird klar, dass auch in der Liebe, letztlich wieder unser Verstand und unser logisches Denken an Einfluß gewinnt. Je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto überlegter gehen wir vor. Analog müsste man zu dem Schluss kommen, dass junge Menschen weniger überlegen, wenn sie sich verlieben, während ältere Menschen mit viel mehr “Verstand” an die “Sache” gehen. Aber Sie sehen alleine an der Wortwahl – Verstand & Sache – dass dies nicht ganz stimmen kann. Aber warum nicht? Vielleicht, weil die Liebe keine Sache ist und eben nicht der Verstand entscheidet?

 

Liebe ist Energie

Auch wenn wir noch so viel Erfahrungen in der Liebe vorweisen können, gute oder nicht so gute, so kann es doch fast jedem passieren, dass ihn oder sie die Liebe trifft. Man beachte auch hier die Wortwahl. Nicht zu Unrecht spricht man davon, dass einen “die Liebe trifft” – so als hätte man gar keine Wahl ihr zu entkommen. Ich kenne umgekehrt viele Menschen, die Ihr Leben lang damit verbringen, die Liebe zu suchen, sie aber niemals finden. Warum ist das so? Die einen trifft die Liebe unvorbereitet und unerwartet, während andere alles vergeblich alles daran setzen, “endlich von der Liebe getroffen” zu werden. Und schon wieder stößt uns die Formulierung auf: denn fragen wir uns doch mal, wieviel wir wirklich dazu tun können von der Liebe getroffen zu werden. Ist so ein Vorhaben nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?

Wenn es ein Rezept gäbe, einen sicheren Plan, eine sogenannte “Best Practice” für das Finden der Liebe, warum sind dann so viele Menschen alleine?

Fragen wir uns doch mal, woran wir überhaupt erkennen, dass es Liebe ist.  Woran machen Sie fest, dass es Liebe ist oder dass Sie verliebt sind? Mit welchen Worten beschreiben Sie dieses Gefühl der Liebe oder Verliebtheit?

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten diese Liebe zu beschreiben, aber keine Liebe muss wie die andere sein. Liebe ist etwas ganz Individuelles. Und deshalb gibt es dafür auch keinen Universalplan.

Ich möchte Liebe als eine Energie beschreiben, die etwas mit uns macht. Wir können nicht genau sagen, was es macht, wann es das mit uns macht, wie, wie lange, etc. Aber ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass es eine Energie ist, die wir mit den Menschen, die wir lieben, austauschen können. Das geht nicht mit jedem Menschen, sondern nur mit denen, die wir lieben. Diese Energie verbindet uns, zieht uns an und lässt uns ein Gefühl der Verbundenheit verspüren. Diese Energie gibt uns Kraft und beflügelt uns – nicht selten so sehr, dass wir uns dabei vergessen “und gelegentlich die Suppe zu sehr salzen”.

Diese Energie können wir nicht planen. Wir können sie nicht als Ergebnis einplanen und darauf hinarbeiten. Doch was wir können ist, uns unserer eigenen Prägung bewusster zu werden und zu verstehen, warum wir mit der Liebe umgehen, wie wir mit ihr umgehen. Vielleicht können wir dabei erkennen, dass unsere Herangehensweise mitunter genau das ist, was diese Energie überhaupt gar nicht erst zu lässt. Möglicherweise sind unsere Erfahrungen gar nicht so hilfreich. Eventuell stehen uns unsere Prägungen im Weg und wir müssen einiges wieder ver-lernen.

Liebe ist ein Gefühl. Liebe ist keine Lösung. Liebe hat ihre eigenen Regeln – oder vielleicht sogar gar keine – und das finde ich auch gut so.

 

Lassen Sie die Energie, die ich Liebe nenne, in Ihr Leben ohne etwas Bestimmtes zu erwarten, zu suchen oder davon zu erhoffen. Wenn diese Energie Sie findet, dann werden Sie es wissen. Aber Sie sollten es Ihr nicht zu schwer machen.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Liebe in Ihrem Leben

Ihr Achim Lelle

 

 

 

 

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