Erfolg kommt nicht von “irgendwo”

Wenn wir 10 Menschen fragen, was Erfolg ist, dann bekommen wir wahrscheinlich 10 unterschiedliche Antworten. Erfolg ist etwas sehr individuelles. Aber wie kommt es dann, dass wir unseren Erfolg immer mit dem von anderen messen – ist das nicht wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen? Was macht erfolgreich, wie lange hält Erfolg und ist Erfolg etwas, das sich mit dem Alter ändert?  Ist man erfolgreich, hat man Erfolg oder fühlt man sich erfolgreich?

Kennen Sie jemanden der nicht erfolgreich sein will? Sicher, es gibt viele Menschen, denen Erfolg nicht so wichtig ist, aber wie sähe ein Leben ohne Erfolg aus? Würde etwas fehlen, wenn es gar keinen Erfolg gäbe? Wie wäre ein Leben ohne Meisterschaften, ohne Abschlüsse, ohne Berge die man besteigt oder Meere die man segelt, ohne eine Aufgabe die man meistert oder ohne Kinder die man gesund und sicher aufwachsen lässt. Ist alles das kein Erfolg? Würden wir es anders nennen, wäre das Gefühl doch das gleiche, oder nicht? Wir sind stolz auf etwas. Wir freuen uns darüber, etwas, das wir uns vorgenommen haben, erreicht zu haben.

 

Erfolgreich ist man nicht zufällig

Wenn man etwas zufällig erreicht, dann nennt man das Glück. Zufällig reich zu werden, im Lotto oder durch eine Erbschaft, hat nichts mit Erfolg zu tun. Zufällig die richtigen Aktien gekauft zu haben, hat nichts mit Erfolg zu tun. Zufällig – weil jemand benötigt wurde – befördert zu werden, hat nichts mit Erfolg zu tun. Es gibt keinen Erfolg der zufällig wäre. Das entspricht nicht der Natur des Erfolges. Wenn etwas Erfolg sein soll, dann ist das ein Erfolg, der angestrebt wurde, bewußt und gezielt.

 

Erfolg ist schon im voraus bekannt

Wenn man nicht wüsste, woran man Erfolg fest machen soll, dann wüsste man gar nicht, wie Erfolg eigentlich aussieht. Darum setzt man sich Ziele. Werden diese Ziele erreicht, dann hat man Erfolg gehabt. Werden die Ziele nicht erreicht, dann hat man versagt. Gut, in der heutigen Zeit wird auch das “Dabeisein” oder “der Weg” als Erfolg gefeiert … aber die Trophäe bekommt dennoch nur der, der die Ziele erreicht. Alle anderen gehen leer aus. Das gewünschte Ergebnis ist eben doch nur ein ganz bestimmtes. Nur das Ergebnis zählt um die Trophäe zu bekommen. Wer im Beruf Erfolg haben will, der hat Ziele die messbar sind: Einkommen, Job Titel, Einfluß, Anzahl Mitarbeiter, Anteile an einer Firma, Umsatz, etc.  Wer im Sport Erfolg haben will, der wird sich an den aktuellen Bestleistungen messen. Alles andere wäre Quatsch. Gerade im Sport ist völlig klar, wer die Nummer 1 ist. Ganz sicher nicht der Zweite, der Dritte oder sonst jemand. Nur die Nummer 1 bekommt die Trophäe. Nur das Ergebnis zählt. Und das ist i.d.R. schon im voraus bekannt.

 

Erfolg ist nicht für jedermann – jedenfalls nicht das gleiche

Selbstverständlich kann man auch ein wunderbares Leben führen, ohne sich der Leistung und dem Erfolg zu verschreiben. Das ist völlig in Ordnung. Ein Leben ohne ständig an irgendwelchen Zielen gemessen zu werden kann erfüllend und zufrieden sein. Ohne ständigen Leistungsdruck ist der Stress geringer und der gesundheitliche Zustand wird von diesem geringeren Stresslevel profitieren. Dennoch gibt es Menschen, für die das ständige Erreichen neuer Ziele geradezu ein Genuss ist, eine Wonne, etwas, dass sie beflügelt und ihnen die Möglichkeit gibt, sich ständig neu zu beweisen. Diese Menschen suchen die Herausforderung – keine Aufgabe kann ihnen schwer genug sein. Gerade die allerschwierigsten Aufgabenstellungen sind für diese Menschen ein Hochgenuss. Diese Menschen blühen förmlich auf, wenn sie etwas erreichen, was eigentlich als nicht erreichbar gilt. Aber unter allen Menschen ist dies nur eine kleine Gruppe. Die wenigsten wollen diese Höchstleistung. Die meisten sind mit einem ausgeglichenen Leben zufrieden. Für diese Menschen ist Erfolg, wenn man gesund bleibt, Freunde hat, Menschen denen man vertraut, eine Familie die zusammen hält und ein Auskommen, dass für ein geregeltes Leben reicht. Erfolg ist nicht für jeden das gleiche.

 

Erfolg kann viele Facetten haben

Wenn man auf ein Ziel hinsteuert und dies als erfolgreichen Abschluß ansieht, dann fällt es schwer dieses Ziel irgendwann aufzugeben. Doch viele von uns kennen Situationen, in denen es keine andere Option als “Aufgeben” gab. Gerade in der heutigen Zeit, in der Corona-Krise des Jahres 2020, gibt es viele Selbständige und viele Unternehmer, die Ihr Unternehmen aufgeben müssen. Die Umstände zwingen diese Menschen dazu, Ihre Ziele aufzugeben und vom geplanten Kurs abzuweichen. Viele dieser Menschen werden Insolvenz anmelden müssen. Das ist in normalen Zeiten ganz sicher kein Zeichen von Erfolg, sondern eher das Gegenteil. Aber wenn der Mißerfolg nicht selbst verschuldet ist, sondern bedingt durch äußere Umstände eintritt, ist es dann Mißerfolg, oder einfach nur ein Unglück?

Ein bekanntes Beispiel ist die Apollo 13 Mission. Die Crew war auf dem Weg zum Mond, als klar wurde, dass die Sauerstofftanks beim Start Schaden genommen hatten und der Sauerstoffvorrat bedrohlich schnell sank. In Absprache mit dem Mission Control Center in Houston beschloß man die Mission abzubrechen, d.h. nicht auf dem Mond zu landen. Das eigentliche Ziel wurde aufgeben. Die Mission konnte scheinbar nicht mehr erfolgreich sein. Doch dann ergab sich ein neues Ziel, denn schließlich musste man die Crew ja noch heil und unbeschadet wieder zurück zur  Erde bringen. Aus der ursprünglichen Mission wurde eine andere – und was für eine. Die ganze Nation war plötzlich an dieser Mission interessiert. In der Kapsel sammelte man die Informationen über den Zustand des Raumschiffes und am Boden zerbrachen sich die Fachleute den Kopf darüber, wie man aus den in der Kapsel vorhandenen Gegenständen einen Schlauch bauen konnte der die Sauerstoffvorräte so lenkte, dass die Besatzung mit der Landekapsel den Heimweg antreten konnte. Dieses mal ging es um Leben und Tod. Die Besatzugsmitglieder und ihre Familien wurden zu Helden und als sie schließlich sicher mit der Kapsel auf dem Meer gelandet waren, sprach keiner mehr von einem Mißerfolg. Die Zusammenarbeit aller Teams war urplötzlich auf die Probe gestellt worden und hatte sich als “äußerst erfolgreich” bewährt. Aus dem ursprünglich angestrebten Erfolg wurde ein anderer Erfolg, einer mit weit größeren Auswirkungen  als man es sich je hätte vorstellen können. Die Nation war geeint hinter diesem Erfolg. Das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation war plötzlich aufgewertet. Man hatte etwas gemeinsam geschafft.

Erfolg ist vielleicht durch ein Ziel bestimmt, aber wir sollten niemals außer Acht lassen, dass es auch noch andere Ziele gibt, andere Erfolge die gleichsam bedeutend und erstrebenswert sind.

 

Erfolg ist oft Pioneer-Arbeit

Innovation und Wachstum sind in unserer Zeit ein äußerst attraktives Ziel, wenngleich Innovation eher kreativ ist und Wachstum so vielen äußeren Einflüssen unterliegt, dass es schwer planbar ist. Wie soll man aber Erfolg definieren, angesichts derartiger Ungewissheiten. Wie soll ein Startup-Unternehmen sicher prognostizieren, wie sich der Gewinn entwickeln wird, wenn es weder eine Historie noch eine anständige Kreditlinie bei der Bank hat. Was ist da Erfolg? Wenn das Startup-Unternehmen einen Geldgeber findet, dem die Idee gefällt und der bereit ist zu investieren – ist das bereits Erfolg? Erfolg ist oft Pioneer-Arbeit, wie uns die Beispiele von Kentucky-Fried Chicken, die Geschichte von Jay Kroc, dem McDonalds Gründer und die 1000 Versuche des Thomas Alva Edison zeigen.

Nur den Mutigen ist der Erfolg vergönnt, heißt es in einem Sprichwort. Und tatsächlich sind es zumeist mutige Unternehmer, die neue Ideen haben und dabei – durch ihre Mißerfolge – den Weg ebnen, für diejenigen, die ihrem Weg folgen. Wo bitte liegt hier die Grenze zwischen Erfolg und Mißerfolg?

 

Erfolg ist wenn man trotzdem lacht

Nicht jeder von uns hat in seinem Leben Millionen EUR angehäuft, mehrer Häuser, Yachten und Firmen erworben, macht ständig Urlaub irgendwo in der Welt und wird als Philantroph oder Leiter eine wohltätigen Stiftung gefeiert. Den meisten von uns, wird alleine bei dem Gedanken, dass sie dies erreichen müssten, mulmig.

Zugegeben, für einige Menschen ist es ein jeher Mißerfolg, alles das nicht erreicht zu haben, doch für die meisten Menschen war es niemals überhaupt ein Traum, geschweige denn in Reichweite. Schon deshalb kann Erfolg nicht für alle Menschen das gleiche sein.

Wenn Erfolg aber sowieso nicht für alle Menschen das gleiche ist, was ist Erfolg dann überhaupt? Die einen sind mit wenig zufrieden, die anderen nur mit mehr? Erfolg ist eine individuelle Größe, ganz klar, aber woran soll man dann messen wer erfolgreicher ist? Oder muss man dies gar nicht? Oder ist Erfolg nur etwas für Erfolgreiche und alle anderen entziehen sich dem Erfolgsdruck gänzlich.

Am Ende kommt es wohl nur darauf an, ob man mit dem, was man erreicht hat, zufrieden ist. Wenn man trotzdem lachen kann, dann hat man seinen ganz persönlichen Erfolg.

 

Der gesellschaftliche Druck als Maßstab

Ganz so einfach, wie zuvor geschildert, ist es dann wohl doch nicht, es sei denn, man lebt alleine und entzieht sich der Gesellschaft. Das Leben in der Öffentlichkeit, in der Gesellschaft von Kollege, Kunden und Auftraggebern, von Chefs, Mitarbeitern, Behörden, Ämtern und Dienstleistern katapultiert einen direkt in das Spannungsfeld unterschiedlichster Zielsetzungen und erzeugt einen Erfolgsdruck, dem man nicht wirklich ausweichen kann: Löhne müssen gezahlt werden, Termine müssen eingehalten werden, Steuern müssen vorangemeldet werden, Mitarbieter müssen eingeplant werden, Kollegen warten auf Input und am Ende vom Tag möchten die Kinder und der Ehepartner auch noch etwas von einem haben. Doch was hat das mit Erfolg zu tun, schließlich tut man ja nur seine Arbeit und verhindert gerade mal das Schlimmste.

Wer jetzt anfängt zu klagen, der outed sich als “Weichei”. Diese Herausforderungen sind gerade mal der Anfang. Was sollen alle die sagen, die alleinerziehend sind, jemanden pflegen müssen, selber gesundheitlichen Einschränkungen unterliegen oder denen einfach nur übel mitgespielt wurde und die deshalb ohne jeglich Mittel da stehen. Es geht einfach immer noch härter, schlimmer und herausfordernder.

Was hat das Ganze noch mit Erfolg zu tun? Vielleicht ist man einfach nur erfolgreich, wenn man diesen Wahnsinn überlebt, nicht im Burnout landet oder schlichtweg keinen größeren Schaden anrichtet. Wir leben in einer Gesellschaft die uns Normen aufdrängt, denen der eine oder andere erliegt, je nachdem wie gut er oder sie es getroffen hat. Wer keine gute Ausbildung hat, verpasst den Start von Anfang an. Wer im Berufsleben nicht weiterkommt, wird abgehängt. Wer mehrfach eine Bruchlandung hinlegt, verliert das Selbstvertrauen. Wer redet da noch von Erfolg?

Sicher, es gibt viele Menschen, die erfolgreich sind, aber wenn man den Statistiken glauben darf, dann ist die Kluft zwischen reich und arm sehr groß, Tendenz steigend. Auch die Kluft zwischen Bildung und Chancenlos wird immer größer, genauso wie die Kluft zwischen “Hamsterrad” und “Leben auf der Überholspur”. Warum ist das so?

Vielleicht haben wir verlernt, an uns zu glauben?

 

Erfolg kommt nicht von irgendwo – sondern von uns selbst

Es gibt herausragende Menschen wie Nelson Mandela, die dafür bekannt geworden sind, dass sie eine Idee solange verfolgt haben, bis diese umgesetzt wurde. Ganz egal wie schwer der Weg war, das Ziel war immer klar im Blick und zwischzeitliche Niederlagen oder Einschränkungen wurden in Kauf genommen.

Der Weg ist vielleicht nicht das Ziel, aber der Weg ist schon wichtig, wenn es darum geht, auf Kurs zu bleiben. Erfolg ist keine Routine, keine Regalware oder ein wöchentliches Meeting. Erfolg ist das, was für einen selbst Bedeutung hat, an das man glaubt und für das man bereit ist, alles zu geben. Erfolg ist so individuell wie der eigene Charakter. Nur jeder selber kann sagen, was Erfolg für ihn oder sie ist. Erfolg kommt nicht – und schon gar nicht von irgenwo. Erfolg wird hart erarbeitet und zwar auf der Grundlage dessen, was man sich selber vornimmt, weil man es für wichtig erachtet, weil es eine Bedeutung hat, weil es mit einem verbunden ist, einen ausmacht und weil man bereit ist, alles dafür zu geben.

Wenn wir erfolgreich sein wollen, dann müssen wir uns fragen, wer wir sein wollen, als erfolgreicher Mensch. Persönlicher geht es nicht mehr. Erfolg ist keine Frage die die Gesellschaft beantwortet, sondern nur wir selber. Erfolg ist genauso eine Wahl wie der Glaube, die Ausbildung, die Familie, die man gründet und das Leben das man führt – nicht weniger.

Seien Sie erfolgreich – Seien Sie, Sie selber.

 

Viel Erfolg.

Ihr Achim Lelle

 

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.