Neue Wege gehen

“Just Do It” wenn nichts mehr geht

 

„Just Do It“ heißt im Deutschen so viel wie „Einfach machen“.  Doch „Einfach machen“  ist für viele bereits ein neuer Weg. Warum das so ist, wie es dazu kommt und was Sie tun können, darum geht es hier.

Es gibt viele Unterschiede zwischen Kulturen, Länder und Organisationen wenn es darum geht, wie man an eine Sache heran geht. Während in Amerika eine eher forsche Herangehensweise als üblich angesehen werden kann, geht man in Deutschland üblicherweise nicht hin und “macht einfach”, sondern man  fragt erst mal um Erlaubnis. Der Deutsche wird oft geleitet durch die Angst, etwas falsch zu machen.  Deshalb sichert sich der Deutsche ab, hinsichtlich Fallstricken wie beispielsweise Missachten der Abläufe, Übergehen von Vorgesetzten oder dem Verwenden der falschen Dokumentenvorlage. Das führt dazu, dass Veränderungen häufig viel länger dauern, oft auf ein Minimum reduziert werden und meist eben doch nicht für alle verbindlich sind. Erst seit Einführen Agiler Methoden gibt es diesbezüglich deutliche  Veränderungen.

Doch diese Unterschiede gibt es nicht nur zwischen Amerika und Deutschland, sondern in vielen Ländern.

In manchen Kulturen, Ländern oder gar Organisationen ist „Einfach machen“ einfach keine Option. Hierarchiedenken, langsame Prozesse, ein dogmatisches Regelwerk, Authoritäre Führung, mächtige Ordnungshüter, Protektionismus, Silodenken, eine nicht vorhandene Fehlerkultur, stattdessen ständige Angst vor Repressalien, Desinformation, hohe Unzufriedenheit und daraus resultierender persönlicher Opportunismus prägen diese Kulturen, Länder und Organisationen. Sie sind vor allen Dingen aber eines: sie sind resistent gegen Veränderungen. Diese “Change Resistent Systems”  – nachfolgend CRS genannt – folgen dem Dogma der Herrschenden, egal was passiert. In solch einem System fühlt sich manch einer verloren, der gerne etwas bewegen möchte. An diese Menschen richtet sich dieser Artikel.

Stellen Sie sich vor wie „Just Do It“ bei einer gesetzlichen Krankenkasse, bei einer Behörde, beim Tüv, in einem Produktionsbetrieb, im Einzelhandel oder selbst in einer kreativen Marketing Agentur aussehen würde, wenn diese Betriebe so veränderungsresistent wären, wie oben beschrieben?

„Just Do It“ ist einfach nicht der typische Weg für CRS. Es wäre ein völlig neuer Weg. Darum geht es hier in diesem Artikel: neue Wege zu gehen im Sinne von „Just Do It“ – obwohl man sich in einem veränderungsresistenten System befindet.

 

Wie Veränderungsresistente Systeme (CRS) unser Verhalten bestimmen

Nur selten hat ein Mensch in einem CRS den Mut, sich hin zu stellen und es anders zu machen als es sowieso immer schon gemacht wird. Etwas einfach mal so zu machen, ohne sich vorher abzusichern, ohne Abstimmung, ohne doppelten Boden sozusagen, also „Just Do It“, ist nicht die normale Vorgehensweise in einem CRS.

Wenn Sie in einem CRS etwas verändern wollen, dann müssen Sie jeden fragen, es sei denn, sie sind schon der Chef oder ein enger Verbündeter des Chef. Doch einfach nur jeden zu fragen “ob” sie etwas machen dürfen reicht nicht aus. Sie müssen schon fragen, und das bitteschön sehr höflich, ob sie etwas machen dürfen, wie sie es machen dürfen und ab wann sie es machen können. Vor allen Dingen müssen Sie aber immer fragen, wen sie sonst noch fragen müssen. Am Ende vom Tag haben sie sehr viele Meinungen – Und viele Köche verderben bekanntlich den Brei.

Es ist deshalb auch kein Wunder, dass Veränderungsprozesse in CRS sehr langsam voran kommen, wenn überhaupt, und das Niveau des Ergebnisses sich bestenfalls am unteren Rand der Möglichkeiten einpendelt. Wenn sich Veränderungsprozesse immer am größten Widersacher orientieren, dann ist es auch kein Wunder, dass Veränderungen zumeist auf die kleinstmögliche gemeinsame Linie zugeschnitten werden. Wenn sich das Niveau einer Leistung am schwächsten Beteiligten orientieren muss, dann ist es kein Wunder, dass Exzellenz keine Chance hat.

Was erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass Menschen in CRS anscheinend sehr zufrieden sind mit der Situation. Glaubt man den Umfragen, gibt es kaum Diszensen zur gegenwärtigen Lage. So wie die Dinge stehen, scheinen die meisten Menschen in CRS zufrieden zu sein. Zumindest wenn man den offiziellen Verkündungen glauben darf. Das macht es für Menschen die Veränderungen vorantreiben wollen natürlich umso schwerer. Wie will man in einem CRS, in dem die meisten Menschen anscheinend mit dem Status Quo zufrieden sind, etwas verändern, ohne sich selbst in die Schusslinie zu bringen? Dabei erscheint es fast grotesk, dass selbst die Tatsache, dass sich jemand in die Schusslinie bringt und nicht mit der allgemeinen Linie konform geht, bereits Anlass zu einer Ausgrenzung gibt. Inhalte scheinen keine Rolle zu spielen. Denn es gehört sich einfach nicht, sich nicht konform verhalten. Verhaltens-Konformität ist wichtig in CRS.

Versucht man seine Position zu stärken, in dem man Mehrheiten gewinnt, wird man ebenfalls häufig auf Zurückhaltung stoßen. Die wenigsten wollen sich für jemanden oder für etwas einsetzen, dass Ärger bringen kann. Selbst im Kreise von guten Freunden und langjährigen Kollegen kommt es oft vor, dass man mehr zur Vorsicht und Anpassung gemahnt wird, als dass man ermutigt wird, Veränderungen voranzutreiben.

„Mach dich nicht unglücklich“, „Das haben schon andere versucht und sind gescheitert“ oder „ Wir brauchen Teamplayer und keine Weltverbesserer“ sind nur einige Beispiele für typische Antworten.

Jemand anderen zu unterstützen, ihn zu loben oder anzuspornen, wenn der Ausgang nicht sicher ist, scheint in CRS nicht attraktiv zu sein. Es scheint, als würden viele schon mal vorsichtshalber auf Distanz gehen, solange der Erfolg nicht zu 100% sicher ist. Wenn man sich anschaut, wie junge Menschen heranwachsen, muss man auch feststellen, dass es selten so ist, dass sich junge Menschen gegenseitig loben. Einander zu loben scheint spätestens nach dem Kindergarten aufzuhören. Nach dem Kindergarten beginnt die “Einordnung” in das System und die verhaltensmäßige Konformität.

Das Miteinander scheint darauf begrenzt zu sein, nicht aufzufallen, sich einzupassen und möglichst nichts falsch zu machen. Die Führungskultur in den CRS spiegelt dies auch wieder. Pflichtbewusstsein und Disziplin statt Ideenreichtum und selbstständiges Handeln scheinen die Maßgabe zu sein.

 

Wie “neue Wege gehen”, wenn neue Wege nicht opportun sind?

Bleibt die Frage: wie geht „Just Do It“ in einer Kultur, in einem Land oder in einer Organisation, wo „Just Do It“ ganz und gar nicht üblich ist? Es scheint schier aussichtslos. Neue Wege gehen … dafür wird man sich besser ein anderes System suchen, jedenfalls kein CRS, könnte man meinen.

Aber halt, wenn wir so denken, dann übernehmen wir eigentlich nur das Denken, das uns daran hindert etwas zu ändern.

 

 

Vielleicht können wir zunächst unser Denken ändern und uns so befreien aus dem gefühlten Käfig. Vielleicht können wir unsere Annahmen über unsere Umwelt hinterfragen und es einmal mit anderen Annahmen versuchen. Möglicherweise liegen wir mit unseren Annahmen falsch. Wenn wir es nicht ausprobieren, werden wir es nicht wissen. Vielleicht müssen wir, um neue Wege zu gehen, erst einmal die alten Wege loslassen. Sind es nicht unsere über lange Zeit gelernten Überzeugungen die uns leiten und verleiten? Sind es nicht die Vorstellungen, die wir in uns haben, die letztlich unseren Käfig ausmachen?

Wenn das, was Sie gerne machen möchten, aus irgendwelchen Gründen nicht gehen sollte: überprüfen Sie diese Gründe, nicht Ihre Idee. Ihre Idee ist das, was Ihnen Energie gibt, Schwung, Motivation und Hoffnung. Lassen Sie nichts und niemanden daran schrauben. Aber die Gründe die Sie einschränken, die dürfen Sie gerne hinterfragen und ggf. über Bord schmeißen. Fragen Sie sich doch mal ob es andere Menschen gibt, die die gleichen Voraussetzungen hatten wie Sie, und die das was Sie machen wollen, bereits in die Tat umgesetzt haben? Wenn ja, dann machen Sie diese Menschen zu Ihren Helden. Modellieren Sie sie, d.h. finden Sie heraus, wie sie es geschafft haben und tun Sie es genau so.

Aber bitte lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie etwas nicht schaffen können.

 

Just Do It“  mit den falschen Menschen – ist schwierig!

Aufgepasst. Manchmal muss man das Team austauschen! Sei es das Projektteam, den Freundeskreis oder gar Teile der Familie – wenn diese toxisch sind, können Sie nicht viel machen. Sie haben nur die Möglichkeit Ihr eigenes Verhalten anzupassen; nicht das Verhalten der anderen zu verändern. Lassen Sie das, was anderen zu eigen ist, bei diesen anderen. Fokussieren Sie auf das, was Sie ausmacht.

Wenn Sie in einer Umgebung bleiben, die Ihre Fähigkeiten, Ambitionen und Möglichkeiten einengt, … warum wollen Sie da bleiben? Wenn Sie in einem System sind, dass Ihnen die Flügel stutz und Ihre Wurzeln verkümmern lässt, dann werden Sie nicht wachsen, sondern eingehen. Wir Menschen brauchen eine Umgebung die sozialen Austausch fördert. Wir suchen die Anregungen anderer und freuen uns wenn wir gesucht werden. Wir sind einerseits fest verwurzelt in diesen Verbindungen,  wünschen uns aber gleichsam, uns gemeinsam zu entwickeln.  Wir wollen nicht alleine sein, aber auch nicht stehen bleiben.

CRS sind wie ein Glas, das man über eine brennende Kerze stülpt: die Flamme wird ersticken. Menschen, die das CRS verteidigen, werden jegliche Änderung verhindern – schlimmer noch: sie werden Ihnen Ihre Veränderungen auch nicht gönnen. Wenn Sie damit nicht leben können, dann ist mein eindringlicher Wunsch für Sie: leben Sie keine weitere Sekunde damit, entfernen Sie sich von diesem CRS und von den Menschen, die Sie aufhalten wollen.

 

Raus aus dem Käfig – machen Sie neue Erfahrungen

Stellen Sie sich vor, Sie würden das, was sie vorhaben, einfach mal tun. Das kann sein, dass sie sich selbstständig machen, Fallschirm springen, ein Reisemobil mieten und damit durch Europa touren, jemanden endlich einmal die Meinung sagen oder sich etwas gönnen, dass ihnen schon lange am Herzen liegt.

 

Gibt es einen schlechteren Berater als Angst? Was würde passieren, wenn sie es einfach tun?

Die richtige Antwort darauf ist: „Wir wissen es nicht mit Sicherheit, weil wir nicht in die Zukunft schauen können, weil wir nicht die Gedanken von anderen Menschen lesen können und weil wir schon gar nicht wissen ob andere sich nicht auch schon längst mit diesem Wunsch nach Veränderung beschäftigen.

Was uns zurück hält ist lediglich die Annahme, dass etwas irgendwie sein könnte. Aber auch diese Annahme kann völlig falsch sein. Wenn sie aber nicht falscher ist, als eine positive bestätigende Annahme, dann sind Sie genauso gut beraten, dieser positiven Annahme zu folgen. Wenn Sie Ihre Annahme verändern, verändern sie ihr Handeln, Ihre Kommunikation mit anderen und damit auch ihr Schicksal.

Genau das ist „Just Do It“. Wenn Sie alle Ihre Prägungen beiseite legen, dann sind Sie wieder genau so “unbelastet” wie nach dem Kindergarten. Wäre das nicht wunderbar – so rein und unbelastet zu sein, wie zu jener Zeit? Haben wir nicht bereits alles Gute in uns – nur leider versteckt unter all dem was uns seit der frühen Schulzeit geprägt hat? In dem wir uns nur auf uns besinnen, unsere Stärken und dem was uns ausmacht, können wir die Welt verändern.

Finden Sie heraus, welche Prägungen Sie zurückhalten (wie das geht, lesen Sie unter: “Welche Annahmen bestimmen Ihr Leben”). Lernen Sie, das es auch ohne diese Prägungen geht.

Lernen Sie, dass Sie einfach tun können, was auch immer Sie vorhaben, obwohl Sie bisher dachten, dass dies nicht geht.

 

Ich wünsche Ihnen eine spannende Zeit außerhalb des Käfigs.

Ihr Achim Lelle

 

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