Neurochemie selbst gemacht

Der einzige Cocktail, den sie brauchen

Für viele Jahre hat man geglaubt, dass verschiedene Krankheiten, darunter auch die Depression und Schizophrenie, genetisch bedingt seien. Über viele Jahrzehnte war das die Standardtheorie. Dann fand ein Wechsel statt und mittlerweile hat man viel mehr Einsichten in das, was im Kopf passiert. Dabei wird erforscht, welche Regionen im Kopf, d.h. im Gehirn, bei bestimmten Aktivitäten angesprochen werden, siehe fMRT. Es wird erforscht, ob und in wie weit sich bestimmte Areale im Gehirn stimulieren lassen und es wird im speziellen auch erforscht, wie chemische Substanzen die Reaktionen im Gehirn verbessern – indem beispielsweise Botenstoffe für die Vermittlung von Signalen zwischen der Synapsen verstärkt oder vermindert werden.

Was genau hat es mit diesen chemischen Substanzen auf sich?

 

Positive Zustände = verbesserte Neurochemie

Bei Krankheiten wie Depression, Schizophrenie oder Ängsten geht man heute davon aus, dass eine Imbalance oder Mangel- bzw. Überversorgung an chemischen Substanzen in unserem Kopf besteht. Diese neurochemischen Substanzen, wie beispielsweise das Hormon Serotonin, Dopamin oder Oxytocin, beeinflussen unsere Zustände.

Sicher können Sie sich an Situationen erinnern, bei denen bestimmte Gefühle etwas in Ihnen ausgelöst haben: eine Traurigkeit zum Beispiel, eine Überschwänglichkeit oder totale Freude. Was sie dazu brauchten, sind genau diese Hormone. Wenn Sie zuwenig davon haben – oder zuviel – dann können eben diese Gefühle anders ausfallen als gewohnt.

  • Serotonin ist ein Botenstoff, der vom Gehirn ausgeschüttet wird. Er stimuliert unter anderem Regionen der Großhirnrinde, die für positive Emotionen zuständig sind. Hingegen ist bei einer Depression oft der Serotonin-Spiegel erniedrigt – Wirkstoffe, die den Abbau von Serotonin hemmen (sogenannte SSRI – Selective Serotonin Re-Update Inhivitors), sollen der Krankheit entgegenwirken und gehören zu den gängigsten Medikamenten bei Depressionen.
  • Dopamin – ebenfalls ein Botenstoff – wirkt am sogenannten mesolimbischen System, das wiederum eng mit einem Belohnungssystem in Verbindung steht. Wer sich verausgabt, etwas erreicht hat oder sich was Gutes tut, hat das Gefühl, er sei belohnt worden und kann sich freuen.
  • Oxytocin – auch bekannt als das Kuschelhormon oder das Bindungshormon. Es ist ein im Gehirn produziertes Hormon, welches eine wichtige Bedeutung – unter anderem beim Geburtsprozess – einnimmt. Oxytocin verringert den Blutdruck und den Kortisolspiegel, wirkt sedierend sowie schmerzstillend und kann zu verbesserter Wundheilung führen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Oxytocin durch Einwirkung auf die sogenannte HPA-Achse (hypothalamic-pituitary-adrenocortical axis) auch die Auswirkung von Stress verringert.
  • Östrogen und Gestagen – beides Hormone die im Blut vorliegen – sind vor allem den Frauen bekannt. Dass es in der zweiten Zyklushälfte häufig zu innerer Anspannung, Reizbarkeit und gelegentlich sogar zu depressiven Phasen kommt, ist einem vorübergehenden Mangel dieser beiden Hormone zuzuschreiben. Etwa 75 Prozent der Frauen geben an, dass ihr Zyklus ihre Stimmung beeinflusse.
  • Insulin und Glukagon sorgen beide gemeinsam dafür, dass die Blutzuckerkonzentration im richtigen Verhältnis vorliegt und der Energiehaushalt des Körpers optimal gehalten wird – was unweigerlich unsere Stimmung beeinflusst. Das in der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttete Insulin bewirkt, dass die Zellen Zucker aus dem Blut aufnehmen, es steigt vor allem beim Essen an. Glukagon – das ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse produziert wird – sorgt für das genaue Gegenteil: Es erhöht den Blutzuckerspiegel, indem es gespeicherte Zuckerreserven – etwa in Fettzellen – freisetzt. Zirkuliert zu wenig Zucker im Blut, können die Körperzellen weniger leisten. Ist der Blutzucker dauerhaft zu hoch, altern die Gefäßwände schneller und es kommt in Kombination mit Bluthochdruck häufiger zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Die beiden Hormone zusammen bewahren damit ein lebenswichtiges Gleichgewicht.
  • Melatonin das sogenannte Schlafhormon. Es wird im Gehirn, in der Epiphyse (Zirbeldrüse), produziert. Die Zirbeldrüse ist das zentrale Regulationsorgan für die Synchronisation des Vierundzwanzigstundenrhythmus. Beim Menschen erreicht die Information über das Tageslicht die menschliche Zirbeldrüse indirekt über die Augen. Die Zirbeldrüse erzeugt bei Dunkelheit das Hormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus und andere zeitabhängige Rhythmen des Körpers beeinflusst.  Über das Blut wird es im Körper verteilt und vermittelt in den Zellen und im Gehirn: Es ist Zeit, schlafen zu gehen. Dann werden wir müde.

 

Die Psyche und Ihr Hormonprofil

Man könnte meinen, wenn Hormone auf die Stimmung wirken, seien sie tatsächlich nichts anderes als Substanzen, die sich ideal lenken und vorhersagen lassen: Wir entscheiden uns, laufen zu gehen, und die Stimmung steigt.

Kein Wunder also, dass man dachte, künstlich hergestelltes Melatonin könne als Schlafmittel funktionieren. Doch vielen, die schlecht schlafen, hilft es nicht. Ein Grund ist wahrscheinlich, dass sich die Empfindlichkeit gegenüber Melatonin von Individuum zu Individuum stark unterscheidet. Zudem ist Melatonin nicht das einzige Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert. Serotonin wird vor allem tagsüber ausgeschüttet und gilt deshalb auch als Wachhormon, Testosteron wird besonders in der ersten Tageshälfte ausgeschieden und Cortisol in der zweiten Nachthälfte. Erst das richtige Zusammenspiel all dieser Hormone bestimmt, wann wir uns bettreif fühlen – und ob wir auch gut schlafen.

Die Psychologin Donatella Marazziti wies nach, dass bei frisch verliebten Personen der Serotonin-Spiegel im Blut auf ein fast krankhaft niedriges Niveau sinkt, ähnlich wie bei Menschen, die an einer Zwangserkrankung leiden oder besonders eifersüchtig sind. Das bewirkt eine Art Tunnelblick, fanden Forscher heraus: Sosehr man es auch versucht, es ist unmöglich, nicht an den geliebten Menschen zu denken. Ein niedriger Serotonin-Spiegel geht oft mit Nervosität und Traurigkeit einher. Deswegen kann die Euphorie des Verliebtseins blitzschnell der Niedergeschlagenheit und Unsicherheit Platz machen, wenn sich der Partner nicht meldet oder ungewohnt kühl reagiert.

 

Tatsächlich haben wir also längst nicht alles unter Kontrolle. Die Psyche, die Gefühlswelt, ist offenbar symbiotisch mit dem Hormonprofil verbunden: Was wir tun, beeinflusst die Hormone – und die Hormone beeinflussen, was wir tun.

Einen Ansatzpunkt haben wir allerdings … und der dreht sich um die Hormone in unserem Kopf: Serotonin, Dopamin und Oxytocin – die Botenstoffe für Glück, Freude und Zugehörigkeit. Diese Gefühle wollen wir uns im Rest dieses Artikels etwas näher anschauen.

 

Wenn Depressive lachen und Hoffnungslose Pläne machen

Selbstverständlich können Menschen, die depressiv sind, auch lachen. Selbstverständlich können Menschen, die wenig Hoffnung haben, auch Pläne machen und zuversichtlich sein. Das Problem liegt nicht im Denken, das Problem liegt in der Erinnerung und im Fühlen.

Jemand, der depressiv ist und sich zurück erinnert, an eine Zeit, in der er fröhlich war, empfindet diese Fröhlichkeit nicht. Jemand, der sich zurück erinnert, an eine Zeit, in der er oder sie erfolgreich war, heute aber von Hoffnungslosigkeit und Frustration geprägt ist, der kann i.d.R. diesen Erfolg von früher nicht mehr nachempfinden. Jemand, der von Ängsten überwältigt ist, kann sich zwar erinnern, an Zeiten, in denen er mutig war, aber er wird den Mut einfach nicht mehr spüren.

Die gute Nachricht ist: Wir haben alles was wir brauchen in uns … wir müssen es nur richtig einsetzen. Wer depressiv ist, hat genügend Errinerungen an glückliche Zeiten, nur kann er diese nicht mehr in dem Maße nachempfinden –>  weil die Erinnerung zu wenig mit positiven Elementen angereichert ist. Genauso ist es mit denen, die keine Hoffnung verspüren oder ständig Angst haben.

Tagtäglich kommen Tausende von Informationen auf uns zu, aber nur eine kleine Menge davon landet auch als Erinnerung in unserem Gehirn. Damit unser Gehirn nicht überlastet wird, muss es an der Oberfläche (der Surface-Strucuture) filtern. Informationen werden verallgemeinert, verzerrt oder einfach weggelassen. Was dann noch abgespeichert wird, in der sogenannten Deep-Structure, ist längst nicht mehr das, was in der Realität auf uns zukam. Beim Erinnern findet unser Gehirn dann auch nur das, was abgespeichert wurde. Letztlich sind also unsere Filter die Gatekeeper unserer Erinnerungen. Was es durch die Filter schafft, bleibt erhalten.

Ein kleines Beispiel: Wenn wir frisch verliebt sind, was sehen wir dann in unserem Parter? Richtig. Wir sehen nur die positiven Dinge – und die speichern wir auch ab. Das ändert sich aber leider oft mit der Zeit. Spätestens vor dem Scheidungsrichter müssten wir zugegeben, dass sich unsere Filter deutlich geändert haben: Uns fallen vor allen Dingen nur noch die negativen Seiten unseres ehemals so geliebten Partners ein.

Fazit: Wie wir die Informationen, die wir in unserem Gehirn als Erinnerungen abspeichern, filtern, kann sich ändern, entweder über längere Zeit oder aber auch ganz plötzlich, beispielsweise bei einem Unglück oder einer ähnlichen traumatisierenden Erfahrung.

 

Warum positive Erinnerungen wichtig sind

Unsere Erinnerungen sind unsere Prägungen. Die Gefühle, die wir bei diesen Erinnerungen empfinden, sind die Grundlage für unser Erleben und unser Handeln. Die Erinnerung an ein fröhliches Gefühl der Zuversicht und des Mutes soll doch genau das vermitteln: Fröhlichkeit, Zuversicht und Mut.

Erinnerungen – die Basis für unsere Prägungen – sind verbunden mit einer ganzen Reihe von Eigenschaften. Da sind zunächst einmal die Bildern. Diese visuellen Eindrücke haben Eigenschaften wie die Farbe, die Tiefe, die Bewegtheit, den Rahmen, die Schärfe, die Intensität der Farben, etc. Begleitet werden diese Erinnerungen mit z.B. kinesthätische Eigenschaften: Gefühle können sich zum Beispiel in einer bestimmten Körperregion manifestieren. Diese Gefühle können sich sogar bewegen, Sie können sich drehen, sie können fließen, etc.  Auditiv könnte es sein, dass bei einer Erinnerung Texte, Lieder oder Geräusche wieder erlebt werden.

Ganz wichtig: Das Zusammenspiel dieser Eigenschaften macht ihren Zustand aus, den sie verspüren, wenn sie sich erinnern. Indem wir unseren Zustand verändern (durch Veränderung der Submodalitäten) beeinflussen wir ganz nebenbei auch unseren Hormonhaushalt. Glückliche Erinnerungen produzieren viel Serotonin. Belohnende Ereignisse produzieren viel Dopamin. Nähe und Zugehörigkeit produziert viel Oxytocin.

Wie wäre es also, wenn Sie diese Eigenschaften zu Ihren Gunsten verändern würden, also Ihre Erinnerungen mit positiven Elementen sozusagen “upgraden” könnten?

Hier ist der Trick: Im NLP lernen wir genau darauf hinzuarbeiten, unsere Zustände zu verändern, in dem wir die Submodalitäten unserer Erinnerungen verändern.

 

Zustände beeinflussen mit NLP

Im NLP (der Neuro-linguistischen Programmierung) kennen wir die sogenannten Submodalitäten. Dies sind feine Eigenschaften, die die übergeordneten Modalitäten – Kinästhetisch, Visuell, Auditiv, Gustatorisch und Olfaktorisch – näher beschreiben. Helligkeit, Schärfe und Farbe beschreiben visuelle Sumbmodalitäten. Gesang, Klangfarbe, Höhe oder Tiefe, Rhytmus und Melodie sind auditive Submodalitäten. Schleichende, heftige, pulsierende oder sich drehende Gefühle sind kinästhetische Submodalitäten. Ähnlich ist es bei den olfaktorischen (Riechen) und gustatorischen (Schmecken) Submodalitäten. Dies hier sind nur einige wenige Beispiele – und natürlich gibt es eine große Vielzahl dieser Submodalitäten.

Im NLP lernen wir – gemeinsam mit anderen – die Submodalitäten der Dinge, die in unserem Kopf ablaufen, zu verändern. Wir machen Bilder kleiner und größer, fügen einen Rahmen hinzu oder ergänzen einen Henkel. Wir positionieren diese Bilder vor unserem geistigen Auge dort, wo sie hingehören. Depremierendes packen wir auf die Seite. Glücksgefühle machen wir ganz groß. Manchmal läuft auch ein Film ab. Den können wir in schwarz-weiß anschauen, in Farbe und sogar rückwärts. Sie sehen also: Wir spielen mit dem, was in unserem Kopf passiert.

Wir lernen, das, was in unserem Kopf passiert, zu verändern. Dadurch werden wir zum Meister unserer Gedanken. Dabei verändern wir auch unseren Zustand.

Das Ziel ist es, positive Zustände zu erzeugen.

 

 

Genießen Sie Ihren Cocktail für mehr Glücksmomente

Wenn Sie bis hierhin folgen konnten, dann haben Sie verstanden, dass die Zustände in Ihrem Kopf letztlich das Ergebnis Ihres Hormoncocktails sind. In dem Moment, wo Sie Ihre Zustände beeinflussen können, beeinflussen Sie auch ihren Hormonhaushalt und damit ihre Zustände.

Nochmal: Der Trick ist, Erinnerungen an Gefühle wie Mut, Hoffnung, Erfolg, Zuversicht oder einfach nur Glück so anzureichern, dass das ursprüngliche Gefühl auch wieder erlebt werden kann. Das tun Sie, in dem Sie die Submodalitäten verändern.

Zugegebenermaßen braucht es dazu reichlich Übung. Diese Übung bekommen Sie in unseren Seminaren oder im Coaching.

Wenn Sie Ihre Gedanken und das, was Sie im Kopf erleben, so verändern, dass Sie die ursprünglichen Emotionen wieder erleben, dann haben Sie den richtigen Cocktail.

Folgen Sie doch dem Rat dieses buddhistischen Wortes: “Statt Dich über die Dunkelheit zu grämen, zünde lieber eine Kerze an.”

Die Fortgeschrittenen unter Ihnen können sich dann später Ihren Cocktail so gestalten, dass Sie sprichwörtlich jedes Gefühl in Ihrem Kopf herzuzaubern vermögen.

 

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall den für Sie richtigen Mix.

Ihr Achim Lelle

 

 

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2020). Stichwort: ‘Epiphyse’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/8432/epiphyse/ (2020-08-11)

ZEIT Online: Hormone – Die Dirigenten unseres Lebens
WWW: https://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/04/hormone-haushalt-botenstoffe/seite-2

 

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